Mainz, meine liebenswerte Stadt

Richard Schilling, ehemaliger 1. Vorsitzender von Haus & Grund Mainz, wirft einen Blick zurück auf die bewegte Geschichte „seiner“ Stadt. Angefangen hat alles mit den Römern, deren Spuren die Besucher von Mainz noch heute entdecken können. Doch auch sonst bietet die rheinland-pfälzische Landeshauptstadt viel Sehenswertes, wie etwa den 1.000 Jahre alten Dom.

Stich von Mainz

Trier erfreute sich zwar höheren Alters und Köln größeren Reichtums, Mainz aber sei die erste und würdigste unter den drei kurfürstlichen geistlichen Residenzen. („Mainzer Chronik“ von 1346 bis 1406)

Von Richard Schilling

Angesichts seiner günstigen Lage im Rheintal mit relativ mildem Klima, fruchtbaren Böden und am Knotenpunkt wichtiger Verkehrswege, zählte der Mainzer Raum zu den seit frühen Zeiten besiedelten Gebieten in Mitteleuropa. Ausgrabungen beweisen, dass es im heutigen Stadtgebiet schon seit der Altsteinzeit, das heißt seit etwa 23.00 vor Christus, Siedlungen gab.

Kurz vor Christi Geburt kamen dann die Römer, um bald ein Lager für zwei Legionen zu errichten. Sie bauten in den Jahren 4 bis 9 nach Christus einen Brückenkopf über den Rhein nach Kastel. Um 85 nach Christus wurde Mainz Verwaltungssitz der neu geschaffenen römischen Provinz Germania Superior. Nachdem das rechtsrheinische Limesgebiet verloren gegangen war, bedrohten verschiedene Germanenstämme Mainz. Im Zuge der Völkerwanderung fielen Franken ein, alamannische Heerhaufen raubten und plünderten. Vandalen, Sueben und Alanen zerstörten weitgehend die Stadt.

Aus den Trümmern der Römer erwuchs die Residenz der Erzbischöfe
Aus der Trümmerstätte erwuchs um 780 die Residenz der Erzbischöfe auf dem „heiligen Stuhl zu Mainz“, der Kurfürsten, die zugleich Erzkanzler des Reiches waren. Sie machten Mainz zur Hauptstadt des mittelalterlichen deutschen Reiches, die Chronisten schon im 11. Jahrhundert als „goldenes Haupt der Städte“, als die aurea Moguncia, feierten.

Die Stadt im Rheinknie erlebte 2000 Jahre im schicksalhaften Rhythmus von Macht und Niederlage, des Blühens und Vergehens, der Vernichtung und der Wiederauferstehung. Sie hat viele Höhen und Tiefen erlebt: Kriege und Zerstörungen, schwedische und sechs französische Besatzungen. Am 27. Februar 1945 erfolgte der schwerste Luftangriff im 2. Weltkrieg, dem 61 Prozent aller Gebäude zum Opfer fielen. 80 Prozent der Innenstadt lagen bei Kriegsende in Trümmern. Als 1945 der Rhein die französische von der amerikanischen Besatzungszone trennte, verlor Mainz seine rechtsrheinischen Vororte mit über 50% der Stadtfläche und fast der gesamten Industrie an Wiesbaden.

Die Landeshauptstadt ist Sitz vieler namhafter Unternehmen
Mainz ist Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz, wieder Universitätsstadt, Sitz des Zweiten Deutschen Fernsehens und Medienstadt und konnte namhafte Unternehmen wie Schott-Glaswerke, IBM, Nestlé, Erdal, Musikverlag B. Schott Söhne ansiedeln, um nur einige zu nennen.

Besucher von Mainz können viel entdecken, wie zum Beispiel zahlreiche Spuren der alten Römer. So haben Ausgrabungen vor Ort Licht in den kultischen Alltag der Römer gebracht. Im Jahre 2000 stieß man auf Teile eines der altägyptischen Gottheit Isis und der orientalischen Mater Magna geweihten Tempels. Das Hypokaustum zeigt römische Badekultur, dann gibt es noch die von der Antike erzählende Jupitersäule, das Römertor des Legionslagers auf dem Kästrich, der Drususstein berichtet vom römischen Totenkult ebenso wie die Gräberstrasse in Weisenau. Die Römersteine sind die Reste des höchsten Aquädukt nördlich der Alpen, das Wasser neun Kilometer weit aus dem Quellgebiet Finthen in das Legionslager führte. Am Ende der Altstadt entdeckte man das größte Bühnentheater nördlich der Alpen, das 116 Meter breit war und rund 10.000 Zuschauern Platz bot. Vor knapp 30 Jahren wurden außerdem bei Bauarbeiten Überreste von sieben Schiffen der Römerzeit gefunden, die nun im Museum für Antike Schifffahrt zu sehen sind.

Sakrale Bauten bestimmen das historische Stadtbild
Auf einem anderen Rundgang können Besucher die Mainzer Kirchen erkunden. Allen voran den herrlichen Dom St. Martin, der heuer 1.000 Jahre alt wird. Willigis, Erzbischof und zugleich Erzkanzler des Deutschen Reiches, legte 975 den Grundstein. Sieben Königskrönungen fanden im Laufe der Jahrhunderte in ihm statt. Allerdings überstand der Neubau den Tag der Weihe im August 1009 nicht – ein Brand zerstörte das Bauwerk und der Dom konnte erst 1036 genutzt werden. Touristen aus der ganzen Welt pilgern zu St. Stephan, der einzigen deutschen Kirche, für die der jüdische Künstler Marc Chagall die leuchtend blauen Glasfenster schuf.

Einen Besuch wert ist auch die Augustinerkirche mit ihren prachtvollen Rokoko-Ausschmückungen sowie Sankt Peter. St. Ignaz spiegelt den Übergang vom Rokoko zum Klassizismus. St. Johannis ist eine der wenigen Basiliken aus karolingischer Zeit, die Karmeliterkirche ist die einzige noch erhaltene mittelalterliche Bettelordenskirche in Mainz. An der Grenze von Alt- und Neustadt befindet sich die evangelische Christuskirche, gedacht als repräsentatives Gegengewicht zum Dom. Erstmals genannt wurde 774 St. Quintin, die einzigen in Mainz erhaltenen gotischen Deckenmalereien findet man in St. Antonius. Ein eindrucksvolles Mahnmal an die Zerstörungen des letzten Krieges ist die Ruine der frühgotischen Kirche St. Christoph.

Viele profane Bauten wecken ebenfalls Interesse. Genannt seien das Kurfürstliche Schloss, die Deutschordenskommende, die vielen Adelspaläste aber auch Bürgerhäuser. Der „Hof zum Korb“ diente dem größten Sohn der Stadt, Johannes Gutenberg, dem Erfinder der beweglichen Letter, als Druckhaus. Und überall in der Stadt sind schöne Brunnen zu finden. Genannt seien nur der älteste Renaissance-Brunnen Deutschlands auf dem Markt oder der Fastnachtsbrunnen am Schillerplatz.

Kurfürst Johann Philipp von Schönborn ließ am Rande der alten Stadt um 1660 auf dem Jakobsberg die Zitadelle errichten. Unter anderem sind in der Rheinstrasse Überreste der mittelalterlichen Stadtmauer zu sehen. Von den erhaltenen Türmen sei als Beispiel der Holzturm genannt, in dem der „Schinnerhannes“ bis zu seiner Hinrichtung gefangen gehalten wurde. Auch die Tore der Rheinufer-Befestigung aus der Zeit als Mainz anfangs des 19. Jahrhunderts Bundesfestung war, sind sehenswert.

Zum Feiern kommt die ganze Welt nach Mainz
Die Mainzer sind ein weltoffenes, freundliches Völkchen. Sie feiern gerne und oft – nicht nur zur Fastnachtszeit. Ihre Wesensart schilderte am besten Carl Zuckmayer in seinem „Des Teufels General“:

„Da war ein römischer Feldherr, schwarzer Kerl, der hat einem blinden Mädchen Latein beigebracht. Dann kamen jüdischer Gewürzhändler in die Familie. Das war´n ernster Mensch. ....... Dann kam´n griechischer Arzt dazu, ´n keltischer Legionär, ´n Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, und ein französischer Schauspieler. Ein böhmischer Musikant. Und das alles hat am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen, gesungen und Kinder gezeugt. Und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven, und der Gutenberg und der Matthias Grünewald. Und so weiter.

Das war´n die besten. Vom Rhein sein, das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse.“

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